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Der letzte Leuchtbuchstabe ist vom Trevira-Schornstein in Bobingen zu Boden geholt. Die Abbrucharbeiten können weitergehen. Foto: Pitt Schurian

Augsburger Allgemeine - 30.08.2018

Trevira-Schlot jetzt ohne Trevira

Der letzte Letter vom Trevira-Schornstein in Bobingen ist am Boden. In schwindelerregender Höhe geht der Abbruch weiter.
Von Pitt Schurian
 
Schon in der Nacht auf Mittwoch war das Echo auf die Nachricht stark. Oft geteilt und kommentiert wurde auf der Facebook-Seite unserer Zeitung die Livenachricht vom Stand der Abbrucharbeiten am alten Schornstein von Trevira im Industriepark von Bobingen. Das zeigt wieder: So oder so reagieren Menschen auf das Thema zum Teil auch mit Gefühlen. Die einen sind nämlich mit der Geschichte des Industriestandortes stark verbunden, andere sehen in dem Kamin ein Wahrzeichen oder Symbol im Stadtbild von Bobingen oder sie verstehen überhaupt nicht, was die ganze Aufregung soll.


 
Am Trevira-Schornstein wird in schwindelerregender Höhe gearbeitet
 
Gegen 18.25 Uhr sank der letzte Buchstabe von der Kaminspitze zu Boden – das „T“ von Trevira. Die damit betrauten Arbeiter müssen wahrlich Profis ihres Fachs sein. Schwindelerregend hängt ihre kleine Arbeitsplattform am Kamin, ähnlich einer Gondel von Fensterputzern an einem Wolkenkratzer. Doch in diesem Fall mussten die großen Letter zum Teil erst ebenso an Seilen gesichert, dann gar mit Hilfe eines Schweißbrenners losgelöst und schließlich vorsichtig abgeseilt werden. Ein Buchstabe nach dem anderen glitt so Boden.
Zwei Mal prangte der stolze Firmenname an dem hohen Schornstein, der einst als Symbol für das „Werk“ stand und einfach auch mal nur Werksturm oder Treviraturm genannt wurde. Das macht 14 große Buchstaben, die nun im typischen Stadtbild von Bobingen fehlen.
 
Schon am Mittwochmorgen gingen die Arbeiten weiter. Die an der Kaminspitze hängende Gondel war weiter nach unten gelassen worden, um eine etwa auf halber Höhe befestigte Arbeitsplattform auszubauen. Das alles gehört laut Mitteilung der Werks-Pressestelle noch zu den Vorarbeiten, bevor voraussichtlich ab Oktober der eigentliche Abbruch beginnt.
Dann wird Schicht für Schicht die gemauerte Außenhaut des Schlots abgetragen. Der 1964 gebaute und bis 2014 noch betriebene Schlot wird dann Stück um Stück von seinen 84 Höhenmetern verlieren. Eine Sprengung ist wegen der Nähe der in Betrieb befindlichen Industrieanlagen nicht möglich.
 
Für eine Nutzung als Industriedenkmal gab es kein praktikables Konzept
 
In einem langen Prozess unter Einbeziehung der Stadt und privater Initiativen hatte das Unternehmen geprüft, was aus dem nicht mehr benötigten Kamin werden solle. Eine Sanierung wäre sehr teuer gekommen, hinzu kam, dass auf Grund der Örtlichkeiten kein praktikables Konzept für eine neue Nutzung als Industriedenkmal gefunden wurde.
Bereis 2014 haben die Unternehmen des Industrieparks Werk Bobingen (IWB) gemeinsam beschlossen, das alte Kesselhaus und damit auch den Schornstein nicht mehr zu nutzen. Es wurden neue Energiekonzepte umgesetzt, die erhebliche Energieeinsparungen mit sich bringen.
 
Der Schlot im "Industriepark Werk Bobingen" diente erst Hoechst, dann Trevira
 
Bis dahin war die Rauchfahne des Trevira-Schlots noch ein Gruß ins Umland. Der Schornstein im heutigen „Industriepark Werk Bobingen“ (IWB) diente erst Hoechst und dann speziell Trevira und weiteren Faserherstellern am Ort zur Dampfherstellung für die Produktion hauchdünner Fäden mit unterschiedlichsten Eigenschaften. Später hätte es auch ein kleinerer Kamin getan. Denn die Zeit, als Schweres Heizöl oder Kohle verfeuert wurden, war schon lange vorbei. Längst war auf Gas umgestellt. 2014 nahmen sparsame, dezentrale Anlagen dem alten Kamin endgültig jede Verwendung.
Der Kamin blieb stehen, ebenso wie Trevira Bestand zeigte in schweren Krisenjahren, die inzwischen nach harten Opfern längst überstanden scheinen. Wollte man es heiter sehen, ist der Abbruch des Schornsteins ein Symbol für eine moderne Zeit mit besserer Aussicht.

Sie wollen den Industriepark in Bobingen mit Firmenneugründungen stärken: IWB-Manager Christoph Bock, Zweiter Bürgermeister Klaus Förster, Investor Rainer Staiger und Berater Axel Müller (von links). Foto: Pitt Schurian

Augsburger Allgemeine - 04.05.2017

Die Stadt ermuntert Firmengründer

Die Kommune unterstützt beratend eine Initiative im Industriepark und setzt große Hoffnungen in sie.   Von Pitt Schurian

Große Hoffnung setzt Bobingens Zweiter Bürgermeister Klaus Förster in eine Initiative des Industrieparks West (IWB) zur Stärkung des örtlichen Wirtschaftsstandortes. Als Vertreter des seit März erkrankten Bürgermeisters repräsentiert Förster die Stadt als Jury-Mitglied in einem Ideen-Wettbewerb, mit dem sich mutige Tüftler mit ihren Geschäftsideen um Betriebsräume im Industriepark bewerben können. Auch Wirtschaftsreferent Thomas Ludwig steht dem IWB beratend zur Seite. Finanziell ist die Stadt nicht beteiligt. Der IWB sieht ein Potenzial an innovativen Geschäftsideen keineswegs nur bei auswärtigen Tüftlern. Diese gebe es auch in der heimischen Region.

Zusammen mit einem Investor, der viele Nutzflächen im ehemaligen Hoechst-Areal erworben hat, soll das Entwicklungspotenzial kleiner Start-up-Firmen genutzt werden. Hintergrund ist die Beobachtung, dass sieben kleine Betriebsgründungen im Industriepark dort innerhalb kurzer Zeit über hundert neue Arbeitsplätze schufen. Das ist genauso viel, wie die dort bestehenden Faserhersteller seit der Überwindung der Trevira-Krise wieder an Mitarbeitern aufgestockt haben.

Ideenwettbewerb soll weitere Tüftler anlocken
Ein Ideen-Wettbewerb soll nun weitere Tüftler zur Ansiedlung in Bobingen ermuntern. Die ersten drei Preisträger bekommen zur Umsetzung ihrer Geschäftsidee die ersten Monate mietfreie Betriebsräume samt Infrastruktur gestellt.

Klaus Förster sieht darin eine durchaus vielversprechende Chance zur Stärkung des IWB, da der Wettbewerb nicht nur Preisträger anziehen soll, sondern auch andere Jungunternehmer, die die Unterstützung in dem Gründerzentrum durch IT-Technik, Beratung durch einen Mentor und die vorhandene Infrastruktur des IWB nutzen wollen. Selbst wenn nicht jede Betriebsneugründung zu einem großen Durchbruch führt, könne insgesamt doch ein starker Impuls von den Start-up-Firmen ausgehen, sagt Firmenberater Axel Müller. Das würden die Erfahrungen an anderen Standorten zeigen, aber auch erste Erfolge der im IWB bereits vorhandenen Neuansiedler.

Investor Rainer Staiger aus Ulm stellt von 100 000 Quadratmetern Nutzfläche, die er während der vergangenen Jahre im IWB erwarb, insgesamt 2 000 Quadratmeter für Start-ups zur Verfügung.

Kontakt übers Internet unter: startup-bobingen.de

Der Industriepark in Bobingen ist im Wandel. Vor allem Trevira macht Platz. Das bietet Raum für Mittelständler. Foto: IWB Bobingen (Archivbild

AUGSBURGER ALLGEMEINE - 20.04.2016

Ähnlich, nur schneller

Die Traditionsfirma Trevira zeigt Nostalgie und technische Faszination. Ex-Mitarbeiter erinnern sich.

Das Interesse der Bobinger an „ihrer Fabrik“ ist ungebrochen. Das zeigte das Interesse an der Betriebsführung, zu der Trevira im Rahmen des Gewebe-Festivals ihre Spinnerei und Bandstraße öffnete. Unter den gut 50 Teilnehmern waren etliche ehemalige Mitarbeiter. Andere waren aus technischem Interesse gekommen.

Das Interesse der Bobinger an „ihrer Fabrik“ ist ungebrochen. Das zeigte das Interesse an der Betriebsführung, zu der Trevira im Rahmen des Gewebe-Festivals ihre Spinnerei und Bandstraße öffnete. Unter den gut 50 Teilnehmern waren etliche ehemalige Mitarbeiter. Andere waren aus technischem Interesse gekommen. Unter ihnen Peter Kretschmer. Er war 40 Jahre hier tätig. „Ich bin neugierig, was sich verändert hat“, begründete er seine Teilnahme. Schon beim Gang über das IWB-Gelände zur Trevira-Halle bemerkte eine Teilnehmerin: „Das ist der typische Fabrik-Duft.“ Sie meinte den süßlich-chemischen Geruch, der in der Luft hing und der an manchen Tagen deutlich im Umfeld des Werkes wahrnehmbar ist.

1600 Meter Fasern pro Minute

Nachdem Ulrich Franz den Besuchern einen Überblick über die Werkstruktur und die Produktion gegeben hatte, ging es zu Spinnerei und Bandstraße. Warm und laut ist es dort, wo die Fasern direkt aus dem Granulat gezogen werden und gleich darauf ein Schaumbad nehmen. „Das ist, um die Fasern zu schützen“, erklärt Meister Harald Fischer, der seit 31 Jahren bei Trevira arbeitet. Was wie ein weißes Band aussieht, wenn es aus am Schaumbad kommt, sind in Wirklichkeit 16000 feinste Einzelfasern. Pro Minute werden so 1600 Meter gesponnen. In großen Tonnen werden die „Fäden“ zur Bandstraße transportiert, wo sie über viele Stationen laufen, gestreckt und entspannt und ihre Kristallizität beeinflusst werden.

Überrascht waren die Teilnehmer, was dann mit den so sorgfältig behandelten Faserfäden geschieht: Sie werden geschnitten, auf zwölf oder 38 Millimeter Länge, je nachdem, wozu es der Kunde weiter verarbeiten wird.

Das Fazit dieser Führung für Peter Kretschmer war: „Es war schön, das mal wiederzusehen. Wenig hat sich geändert, nur die Produktionsgeschwindigkeit ist höher und die Methoden sind verfeinert.“ Ein Eindruck, den auch Jürgen Bock, der frühere langjährige Produktionsleiter, teilt. „So viel hat sich gar nicht verändert und der Kleckerzähler ist immer noch da“, stellte er lächelnd fest. Das bewährte Gerät zählt die Knoten in den Fasern, werden diese zu viel, muss in der Spinnerei nachreguliert werden.

Für Kulturamtsleiterin Elisabeth Morhart, die die Führung im Rahmen des bayernweiten Festivals „Gewebe. Textile Produkte“ initiiert hat, gehörte das Bobinger Unternehmen selbstverständlich ins Programm. „Das Interesse der Bevölkerung an dem Betrieb ist immer noch sehr stark“, sagte sie. Und Christoph Bock, seit 2010 Geschäftsführer des IWB, betonte die Bedeutung Treviras für die Singoldstadt: „Das Werk ist ein Industriestandort, der die Entwicklung des Dorfes Bobingen zur Stadt maßgeblich beeinflusst hat.“

Der ehemalige Produktionsleiter von Trevira, Jürgen Bock, zeigt anhand der Fototafeln, wie zu seiner Zeit in Bobingen produziert wurde.

AUGSBURGER ALLGEMEINE - 20.04.2016

Weltmarke mit falschem Namen

Jürgen Bock, ehemaliger Produktionsleiter von Hoechst-Trevira, erinnert sich an Werksgeschichte(n). Von Ingeborg Anderson


Wie Bock erzählte, begann die Erfolgsgeschichte der Weltmarke Trevira vor rund 85 Jahren mit einem sprachlichen Irrtum: „Der damalige Werksleiter Dr. Adolf Kämpf wollte den Namen des Produkts aus dem lateinischen Namen der Stadt Augsburg ableiten, doch der lautete nicht Augusta Treverorum, wie er glaubte (das ist nämlich Trier) sondern Augusta Vindelicorum.“ Der Name blieb. Und die Produkte aus Bobingen waren nach dem Zweiten Weltkrieg international so begehrt, dass an Standorten weltweit produziert wurde.


Bereits 1932 ließ Dr. Adolf Kämpf die Marke „Trevira“ ins Warenzeichenregister eintragen. 1952 wurde das Werk dem Hoechst-Konzern angegliedert. Die ersten Filamentgarne (Endlosfäden) unter dem Markennamen Trevira errichten ab 1956 große Bekanntheit und Verbreitung. Die pflegeleichte Faser trat danach weltweit einen beispiellosen Siegeszug im Bereich Kleidung und Heimtextilien an.

„Globalisierung war schon immer ein Teil von Trevira“, so Bock. Bobingen aber blieb das Herz des Unternehmens. Zu den Aufgaben von Jürgen Bock gehörte es zunächst, Prozesse in der Produktion zu optimieren und technische Schwierigkeiten zu beheben. Etwa wenn die zu spinnenden Fäden immer wieder abrissen. „Da mußte ich genau beobachten und überlegen bis ich darauf kam, dass es an einer Dichtung lag. Aber so gefiel es mir. Ich wollte meine Fähigkeiten einsetzen, eigenverantwortlich etwas Neues schaffen.“ Diese Aufgabe führte ihn oftmals auch ins Ausland wo es galt für eine reibungslose Produktion zu sorgen.

Mit Stolz berichtete er von seiner Beteiligung an Forschungserfolgen. Etwa im Jahr 1969, als herausgefunden wurde, wie Polyester durch Direktveresterung (Ester = organische Verbindung aus Alkohol und Carbonsäure) hergestellt werden kann. „Durch den neuen Prozess gelang es, die Qualität zu verbessern und die Produktionskosten zu senken.“

Immer wieder waren Umbauten im Werk nötig

Aufgrund der Weiterentwicklung der Technik wurden immer wieder Umbauten im Werk nötig, wie etwa 1973 die Maschinen so zu optimieren, dass Schnellspinnen und -spulen möglich war. „120 Kilometer Faden wurde so in einer Stunde erzeugt“, berichtete er.

Jürgen Bocks Berufsleben war geprägt von der Forschung nach Verbesserung der Produkte und der Produktion. 30 Jahre lang, von 1966 bis 1998, tat er das mit viel Engagement, bis er in den Ruhestand ging. Eine Zeit, in der, wie er erzählte, die Firma zahlreiche Umstrukturierungen, Umbenennungen und Rationalisierungen durchlebte.

Heute lebt er in Marburg. Aber der Name Bock bleibt im Werk erhalten: Sein Sohn Christoph ist seit 2010 Geschäftsführer des Industrieparks Werk Bobingen (IWB). Gab es in der Blütezeit, in den 1960er und 1970er Jahren etwa 5000 Werksbeschäftigte, sind es heute circa 1000 Mitarbeiter in den 18 Unternehmen des Industrieparks.

Nach dem an technischen Details reichen Vortrag stellten die Besucher zwar keine Fragen an den Referenten, nutzten aber die Gelegenheit, ganz private Erinnerungen mit Jürgen Bock aufzufrischen und auszutauschen. Und dazu gibt es viel Stoff.

Geschäftsführer Klaus Holz (Zweiter von links) feierte mit den Mitarbeitern von Trevira den Abschluss von vier großen Investitionen.

WIRTSCHAFT - 21.10.2014

Faserhersteller feiert neue Anlagen

Als „Zukunftsprojekte“ bezeichnet Trevira in Bobingen gerade fertiggestellte Anlagen. So hat der Faserhersteller im Industriepark Werk Bobingen im Rahmen einer Mitarbeiterveranstaltung die Umsetzung von gleich vier Investitionsvorhaben gefeiert.

 

 

Als „Zukunftsprojekte“ bezeichnet Trevira in Bobingen gerade fertiggestellte Anlagen. So hat der Faserhersteller im Industriepark Werk Bobingen im Rahmen einer Mitarbeiterveranstaltung die Umsetzung von gleich vier Investitionsvorhaben gefeiert.

Eine Anlage zur Weiterverarbeitung von Fasern für Spinnereikunden (die sogenannte Eigenkonvertierung), eine Anlage zur Wertstoffaufbereitung sowie das neue Kesselhaus zur Prozessdampferzeugung sind nach einigen Monaten Aufbauarbeit nun betriebsbereit. Fertiggestellt wurde außerdem die Erweiterung einer automatischen Verpackungsanlage im Faserbetrieb.

Die Arbeiten waren neben dem laufenden Betrieb durchgeführt worden und in Bobingen ist man stolz auf den gelungenen Abschluss. Zum Dank für den geleisteten Einsatz hatte die Geschäftsführung die Belegschaft zu einer gemeinsamen Einweihungsfeier eingeladen.

Trevira Geschäftsführer Klaus Holz: „Wir haben in die Zukunft investiert.

Diese Projekte werden unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken. Die Wertstoffaufbereitung und die moderne Anlage zur Dampferzeugung helfen uns, wertvolle Ressourcen zu schonen.

Die Eigenkonvertierung und die neue Verpackungstechnologie verschaffen uns mehr Flexibilität und unseren Kunden einen Zusatznutzen. Sie machen unsere Prozesse effektiver.“ (SZ)

Die Chancen und Herausforderungen der Industrie wurden beim 1. Fachkräftetag in Bobingen von Arbeitnehmern und Managern diskutiert.

WIRTSCHAFT - 18.10.2014

In Bobingen hilft MLB den Unternehmen und zeigt Jobsuchenden Karrierechancen

Von Pitt Schurian


Wer wollte, konnte es nun auch in Bobingen anschaulich erfahren: Die Wirtschaft bangt um Fachkräfte. Dabei hat sie interessante Aufgaben zu bieten. Das Problem kann Vorbote neuer Entwicklungen sein. Im besten Fall in Form neuer Karrierechancen. Im schlechtesten Fall könnte der Mangel guter Arbeitskräfte das Wachstum und den Wohlstand ganzer Regionen gefährden. Die Wirtschaft im Raum reagiert längst.

Die eigentlichen Besonderheiten des 1. Fachkräftetags in Bobingen waren der Veranstalter und sein Standort: die MLB Industrial Service GmbH im Industriepark in Bobingen. Dieser Firmenname ist in dieser Form seit dem Ausscheiden des Industriedienstleisters ABB am Ort vielen Menschen noch neu, doch beruft sich das Unternehmen auf eine lange Tradition in Bobingen. Genau genommen sind es die Dienstleistungspioniere Meister, Lucius & Brüning (MLB), die schon seit 1863 Arbeiten für Unternehmer und Wirtschaftspioniere übernehmen, die sich auf ihr eigenes, neues Produkt konzentrieren wollen. Heute ist MLB für Firmen im Industriepark in Bobingen tätig und darüber hinaus für Unternehmen in der Region Augsburg.

Petra Zander ist bei MLB für Personal- und Organisationsentwicklung zuständig. Sie schildert den Anlass des 1. Fachkräftetags in Bobingen so: „Industrie 4.0 ist die Zukunft des produzierenden Gewerbes. Der Einzug des Internets in den Fabriken bringt laut Prognosen in den nächsten zehn Jahren ein hohes Wachstum der Bruttowertschöpfung. Davon kann auch die Region Augsburg profitieren. Es gilt allerdings, neben anderen Faktoren, die entsprechenden Fachkräfte zu sichern.“ In der Region seien schon seit Jahren die unterschiedlichsten Interessensgruppen aus der Wirtschaft daran, die Attraktivität für den Wirtschaftsraum Augsburg auf einem hohen Niveau zu halten. Neben Imagekampagnen werde die Generation 50 Plus mehr in den Fokus der Firmen gerückt und den Jugendlichen würden Berufe, vor allem in den Fachbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, gezielt näher gebracht.

Firmen könnten jedoch noch mehr für Fachkräfte tun. Hierzu bietet die MLB Industrial Services GmbH Hilfestellung. Der Fachkräftetag gab dazu Einblicke.

Ein zum Mitmachen aufforderndes Programm rund um das Thema zeigte, was Firmen und Fachkräfte tun können, um gezielt einen gemeinsamen und dauerhaften Weg zu gehen. Jeder konnte daran teilnehmen, von der Fach- und Führungskraft bis zur Geschäftsführung. So war auch das Publikum bunt gemischt und die Resonanz positiv.

Die Themen rund um Aus- und Weiterbildung, Personalentwicklung und Organisationsberatung stießen bei den Teilnehmern auf großes Interesse. Auch der regionale Aspekt fand durch den Vortrag von Benjamin Früchtl vom Begegnungsland Lech-Wertach Beachtung. Darum soll der Fachkräftetag zu einer wiederkehrenden Einrichtung werden..

IWB Stadtzeitung, 7. Februar 2014

IWB Stadtzeitung - 7. Februar 2014

Augsburger Allgemeine - 17. Januar 2014

Die Trevira-Fasern aus Bobingen werden zunehmen auch für technische Anwendungen weiterverarbeitet. Zum Beispiel in Verbundstoffen.

Trevira-Fasern stecken in arabischen Hotels und Windkraftanlagen. Das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen und will Märkte zurückerobern. Die Belegschaft kostete das große Opfer.
Von Pitt Schurian

Nach vielen harten Jahren herrscht wieder entspannte Stimmung bei Trevira in Bobingen. 2013 war für das Unternehmen ein gutes Jahr, 2014 wird sich das auch für die Belegschaft auszahlen, hoffen Gewerkschafter. Den Mitarbeitern macht die Investitionsfreude der Gesellschafter Mut. Deren Optimismus wiederum scheint von baufreudigen Scheichs im Mittleren Osten sowie von neuen Einsatzmöglichkeiten in modernen Produkten aus Verbundstoffen oder Vliesen beflügelt. Trevirafasern geben Windkraftanlagen ihren Halt und kleiden in Tapeten oder Vorhängen teure Hotelsuiten am arabischen Golf aus.


Neuer Mut für Investitionen

Die Unternehmensleitung berichtet im Jahresbericht 2013 daher von schwarzen Zahlen, guten Entwicklungen auf dem Weltmarkt und neuen Produkten. Und der Betriebsrat stimmt die Belegschaft schon vor dem Ende der laufenden Tarifverhandlungen auf mehr Lohn ein: „Auch in den Geldbeutel kommt Bewegung“. Erstmals seit vielen Jahren gibt es von allen Seiten Lob für die neuen Investoren.

Marketingleiterin Anke Vollenbröker sagt: „Die enge Zusammenarbeit mit den engagierten Eigentümern Indorama Ventures und Sinterama geht 2014 in das dritte Jahr und verläuft positiv und reibungslos. Trevira ist nach wie vor eine stabile Größe im Polyesterfasermarkt und ist zuversichtlich, auch in 2014 die gesteckten Ziele zu erreichen.“
Betriebsratsvorsitzender Reinhold Gebhard bestätigt. „Die Belegschaft sieht sehr wohl, dass wieder investiert wird. Das wird auch 2014 so sein. Es zeigt Wirkung, dass wir seit 2011 neue Eigentümer haben.“


Die Talsohle ist überwunden

Natürlich weiß auch gerade Reinhold Gebhard, dass dafür viele Opfer nötig waren. Das Unternehmen wurde umgebaut. Viele Menschen verloren vor allem während der vergangenen zehn Jahre ihre Arbeit. Die goldenen Zeiten von Hoechst, als es 14 Monatsgehälter gab, sind Geschichte. Allerdings, so hoffen alle, sind auch die Folgen des Niedergangs nach der Zerschlagung der Hoechst AG nun Vergangenheit. Seit 1998 gab es unruhige Zeiten durch mehrfache Wechsel der Eigentümer, durch die zunehmende Konkurrenz in Asien und durch die Wirtschaftskrisen. Gerade 1140 Arbeitsplätze sind bei Trevira übrig geblieben, davon 470 am Stammsitz in Bobingen.
Die Talsohle sei offenbar überwunden, sagen Experten der Branche mit Blick auf eine international anziehende Konjunktur. Das urteilte vor Weihnachten auch Christoph A. Bock, Geschäftsführer des Industrieparks Werk Bobingen (IWB) für den gesamten Standort verschiedener Faserhersteller.
Nun verkündete die Trevira-Sprecherin: „Das Geschäft verlief im vergangenen Jahr insgesamt erfreulich und stabil. Die Maßnahmen zum Umbau der Produktionsstruktur und zur Straffung von Abläufen zeigen ihre Wirkung, was sich daran messen lässt, dass die für 2013 gesteckten Ziele im Wesentlichen erreicht werden konnten.“ Die Bilanz 2013 werde ein Plus sowohl im Umsatz als auch im Ergebnis aufweisen, was zum einen auf die Veränderung des Produktmixes, zum anderen auch auf eine gute Mengenbilanz zurückzuführen sei.

Verbundfaserstoffe werden in Windkraftanlagen eingesetzt
Zu Produktmix und Mengen tragen neue technische Entwicklungen bei Trevira, bei der Weiterverarbeitung durch direkte Kunden und durch vielerlei Einsatzmöglichkeiten bei. Ein Beispiel ist der Einsatz von Fasern im technischen Bereich moderner Ingenieurskunst. Filteranlagen waren dafür bislang ein für Laien anschauliches Beispiel. Inzwischen kommt der Einsatz von Verbundfaserstoffen zum Beispiel in Windkraftanlagen dazu. Auch da steckt Trevira drin. Das Unternehmen erwartet eine weiter zunehmende Bedeutung seiner Fasern auf neuen technischen und industriellen Einsatzgebieten und bei der Verwendung in modernen Vliesstoffprodukten.

Trevira lebt vom Export
Zugleich will der in Bobingen ansässige Faserproduzent Marktanteile in Übersee zurückerobern. Denn Trevira lebt vom Export. Hierfür war vor allem Europa der vertraute Markt. Nun heißt das Ziel: Internationalisierung. Gemeint ist ein Vorstoß insbesondere in Richtung Asien, Nord- und Südamerika sowie im Nahen Osten.

Christoph A. Bock (links) und Ludwig Boeck haben viel vor.

Schwabmünchner Allgemeine - 10. Dezember 2013

Mast soll 170 Meter hoch werden und an der Wertach stehen. Juristen treffen sich im Januar und haben viel vor sich. Denn eigentlich geht das da gar nicht.

Von Pitt Schurian


Die beiden haben viel vor: Christoph A. Bock ist Geschäftsführer der Industriepark Werk Bobingen Gesellschaft (IWB) und Ludger Boeck, Chef des ABB-Nachfolgers und Dienstleistungsunternehmens MLB. Die Chemiefaserhersteller sehen sie gesundgeschrumpft. Deren Personalstand habe den „Bodensatz“ erreicht, die Anlagen seien auf moderne Wirtschaftlichkeit konzentriert. Damit wurde viel Platz im Werk frei. Für seine Zukunft und zum Erhalt der gemeinsamen Infrastruktur braucht es weitere Firmen mit neuen Produkten und neuen Leuten. Bock lockt daher in Augsburgs Wirtschaft mit günstigen Produktionsstätten (wir berichteten). Und im ersten Quartal 2014 will er ein Konzept für einen eigenen Energiemix vorlegen. Einen Investor soll es schon geben. Es geht angeblich um 40 Millionen Euro.


Dafür soll am Rande des Industrieparks nahe der Wertach ein Windrad mit einer Nabenhöhe von 170 Metern in die Höhe ragen. Zum Vergleich: Der Trevira-Kamin ist nur 83 Meter hoch. „Diese Höhe brauchen wir, darunter ist zu wenig Wind,“ erläutert IWB-Geschäftsführer Christoph A. Bock.


Strom gewinnen will er auch mit dem bestehenden Dampfwerk. Es liefert den Firmen nur noch bis Jahresende Trockenwärme. Ab 2014 soll es umgebaut werden: „Dann machen wir Strom statt Dampf.“ Auch aus Biomasse und Solaranlagen will die IWB Elektrizität gewinnen. Sogar Stromspeicherung ist ein Thema. „Das gibt einen großen Energiemix“, sagt Bock. Dass das alles nicht ganz einfach wird, wissen die IWB-Manager. Sie denken dabei vor allem an die Rechtsform der Verträge mit den Geldgebern und der Betreibergesellschaft. Dazu haben die Juristen schon Termine im Januar. Abzuwarten seien auch noch Details zu den Auswirkungen der Berliner Koalitionsverhandlungen. Denn Fördergelder beziehungsweise Einspeisevergütungen spielen natürlich ebenfalls eine Rolle.

Und nicht zu unterschätzen ist die Rolle der Kommunalpolitik. Doch weder die Stadt Bobingen noch die Gemeinde Wehringen wissen laut ihrer Auskunft etwas von dem Windrad. Ob solch eine Konstruktion an der Wertach genehmigungsfähig ist, ist zumindest fraglich. So sieht der Flächennutzungsplan von Bobingen den Bau von Windrädern nur an der B17 nahe Königsbrunn-Nord als denkbar vor. Auch der Landesentwicklungsplan und der Naturschutz sind zu berücksichtigen, ebenso Abstände zu bewohnten Bereichen. Damit droht zumindest dem Windrad noch viel Gegenwind.

Weiter scheint da das Dienstleistungsunternehmen MLB im Industriepark mit seinem laufenden Service. Nach dem Auslaufen der Verträge mit Vorgänger ABB betreut der IWB die Infrastruktur damit selbst unter neuem Namen: „Meister, Lucius und Brüning“ (MLB) erinnert an das einstige Hoechst-Dienstleistungsunternehmen. Aufgaben sind die Ausbildung von Fachpersonal, die Wartung von Anlagen und die Fertigung spezieller Einzelwerkzeuge. Bislang erzeugte ABB für die Standortfirmen in einem Kraftwerk Dampf für die Faserproduktion und Druckluft für die Anlagen. Dieser Versorgungsauftrag wurde von den Abnehmern gekündigt. Nun streben IWB und MLB ein neues, umfassenderes Energiekonzept an.

Schwabmünchner Allgemeine - 3. Dezember 2013

Sparangebot lockt Augsburger Firmen Wirtschaft

Der Industriepark Bobingen bietet Mittelständlern Platz, billigen Strom und steuerliche Vorteile. Auch Mitarbeiter sollen was davon haben
Von Pitt Schurian


Bobingen Der Industriepark Werk Bobingen (IWB) bietet sein Herzstück feil: Es sind zwei große Hallen direkt an der zentralen Achse entlang der Singold. Zwei weitere Gebäude könnten dort später dazukommen. Es geht um rund 80.000 Quadratmeter Fläche. IWB-Geschäftsführer Christoph A. Bock ist daher auf Brautschau und wirbt nicht nur mit üppig Platz. In Augsburg stößt sein Angebot auf Interesse.

Mit drei mittelständischen Unternehmen sei er schon im Gespräch, berichtet er. Seine Argumente: Diese könnten durch einen Umzug Kosten sparen und auch ihre Mitarbeiter hätten womöglich Vorteile. Denn die Infrastruktur in Bobingen sei traditionell auf eine große Zahl an Beschäftigten und auf Service für die Standortfirmen ausgelegt. Hier gebe es einen niedrigen Gewerbesteuersatz (325 Prozentpunkte) und einen für die Industrie sehr günstigen Strompreis. Der soll zudem durch einen selbst geschaffenen Energiemix abgesichert werden. Photovoltaik, Biomassekraftwerk und Windkraft stehen dazu gerade auf der Tagesordnung.


In Augsburg klopft Bock vor allem bei starken Energieverbrauchern an. Und es sollten Firmen sein, die die vorhandenen Dienstleistungen im Industriepark gut nützen können: Das gilt besonders für die Verarbeitung von Metall, Kunststoff und Kautschuk. Wenn alles nach Plan klappt, könnte es hier in fünf Jahren zehn neue Unternehmen geben. Bock rechnet mit 400 Arbeitsplätzen. Von der Kapazität her wäre das alles kein Problem. Zu Blütezeiten des Chemieriesen Hoechst kamen hier täglich 4800 Menschen zur Arbeit. Jetzt sind es noch 1300.
Im Industriepark gibt es einen eigenen Bankschalter sowie Geldautomaten, eine Betriebskrankenkasse, die Praxis des Werksarztes ist an drei Tagen pro Woche besetzt, Nahverkehrs-Busse halten direkt vor dem Werkstor, es gibt Fort- und Ausbildungsstätten. Hinzukommen soll ein eigener Kinderhort. Mit einem möglichen Träger ist das Industrieparkmanagement schon in Verhandlung.

Service und Zulieferungen aus eigenen Werkstätten bietet der Industriepark zudem den Firmen am Wirtschaftsstandort Bobingen. Dazu gibt es ein eigenes Dienstleistungsunternehmen. Es betreut Anlagen, bietet Elektro- und Sicherheitstechnik, Brandschutz, Wartung, Personaldienstleistungen, eine Ausbildungswerkstatt und ein berufsbegleitendes Ausbildungsprogramm für Bachelor-Studenten.

Aufbruch nach Krisenjahren
IWB-Geschäftsführer Christoph A. Bock verbreitet mit all dem gute Aufbruchstimmung. Das ist nötig. Denn der Standort hat einen Niedergang der Chemiefaser hinter sich. Trevira - das große Nachfolgeunternehmen von Hoechst - ist stark geschrumpft, scheint jedoch seine Krisenjahren überwunden zu haben. Weitere Faserhersteller im IWB holten auf. Doch eine Rückkehr zum großen Chemiewerk ist unvorstellbar. So setzt der Industriepark auf neuen Wandel, auf Vielfalt und auf den stabilen Mittelstand.

Augsburger Allgemeine - 23. Juni 2013

Industriepark organisiert Dienstleistungen selbst

Neue Servicegesellschaft übernimmt ABB-Tochter
Die ABB Service GmbH Bobingen firmiert seit dieser Woche unter dem neuen Namen „SEB Service Einheit Bobingen GmbH“. Neuer Gesellschafter ist die IWB Industriepark Werk Bobingen GmbH und Co. KG. Darüber hat das Unternehmen am Donnerstag die Belegschaft in einer Betriebsversammlung informiert. Das bedeutet vereinfacht gesagt: Die Chemiefaserproduzenten und übrigen Standortfirmen kauften von ABB die Anteile an deren Bobinger Serviceunternehmen und organisieren deren Dienstleistungen für die Unternehmen im Industriepark künftig mit der neuen SEB selbst. Geschäftsführer der neuen Servicegesellschaft ist Ludger Boeck. Er sagte: Damit herrsche endlich Klarheit im Industriepark. Klarheit auch für die Mitarbeiter, wie es in Zukunft mit der ABB Service weitergeht. Diese erfuhren: Die Arbeitsverträge aller 83 betroffenen Mitarbeiter und der zehn Auszubildenden sowie alle sonstigen Verträge behalten auch unter dem neuen Eigentümer ihre Gültigkeit. Der Geschäftsführer der ABB Service GmbH Bobingen, Stefan Rac, hatte in der Betriebsversammlung zunächst über die bisherige wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2013 berichtet. Die Zahlen sähen durchweg ordentlich aus.

Allerdings: Dieser Betriebsversammlung waren monatelange Verhandlungen vorausgegangen, wie Ludger Boeck berichtete. Nachdem Ende 2012 die Gespräche der Standortunternehmen im Industriepark mit der ABB Automation GmbH über die Weiterführung des Outsourcing-Vertrages, der deren Leistungserbringung am Standort regelte, gescheitert waren, wussten viele Mitarbeiter nicht, ob und wie es bei der IWB weitergehen wird.
Bereits zum 1. Mai sind die Verträge geändert, und in dieser Woche sind sie rechtskräftig geworden: Die Unternehmen im IWB beabsichtigen demnach, künftig die SEB als Standortdienstleister zu beauftragen. Zu den Aufgaben zählen der Betrieb der Infrastruktur, Energieversorgung, Fertigungstechnik und der Werksfeuerwehr. Auch die Ausbildungswerkstatt soll erhalten bleiben.
ABB bleibt unter dem Geschäftsführer Stefan Rac mit der ABB abService GmbH (Anlagenbau, Service) mit 20 Mitarbeitern am Standort vertreten, wird jedoch keine Leistungen für den Industriepark erbringen. Sie ist jedoch weiterhin für Firmen außerhalb des IWB tätig. Ludger Boeck stellte gestern in einer Pressemitteilung fest: „Für die Mitarbeiter der neuen SEB bedeutet diese Entscheidung zunächst einmal die Sicherheit, dass es weitergeht. Die SEB-Geschäftsführung hat nun die Aufgabe, die Leistungsverträge mit den Standortunternehmen neu zu verhandeln.“
Christoph Bock, Geschäftsführer der IWB-Gesellschaft sagte dazu: „Die Parteien haben ein gemeinsames Verständnis über den Erhalt und die Fortführung der SEB in Bobingen. Als neuer und alleiniger Anteilseigner ist es das Interesse der IWB, die SEB in ihrer zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung positiv zu unterstützen.“
Die IWB beabsichtige, „mit all ihren finanziellen Möglichkeiten das wirtschaftliche Fortkommen der SEB zu befördern und die Gesellschaft auch langfristig in die Lage zu versetzen, ihre Leistungen in Zukunft sowohl am Standort Werk Bobingen als auch überregional anbieten zu können.“ (pit)

Augsburger Allgemeine - 30.08.2018

Trevira-Schlot jetzt ohne Trevira

Der letzte Letter vom Trevira-Schornstein in Bobingen ist am Boden. In schwindelerregender Höhe geht der Abbruch weiter.
 
Von
Pitt Schurian
Schon in der Nacht auf Mittwoch war das Echo auf die Nachricht stark. Oft geteilt und kommentiert wurde auf der Facebook-Seite unserer Zeitung die Livenachricht vom Stand der Abbrucharbeiten am alten Schornstein von Trevira im Industriepark von Bobingen. Das zeigt wieder: So oder so reagieren Menschen auf das Thema zum Teil auch mit Gefühlen. Die einen sind nämlich mit der Geschichte des Industriestandortes stark verbunden, andere sehen in dem Kamin ein Wahrzeichen oder Symbol im Stadtbild von Bobingen oder sie verstehen überhaupt nicht, was die ganze Aufregung soll.
Am Trevira-Schornstein wird in schwindelerregender Höhe gearbeitet
Gegen 18.25 Uhr sank der letzte Buchstabe von der Kaminspitze zu Boden – das „T“ von Trevira. Die damit betrauten Arbeiter müssen wahrlich Profis ihres Fachs sein. Schwindelerregend hängt ihre kleine Arbeitsplattform am Kamin, ähnlich einer Gondel von Fensterputzern an einem Wolkenkratzer. Doch in diesem Fall mussten die großen Letter zum Teil erst ebenso an Seilen gesichert, dann gar mit Hilfe eines Schweißbrenners losgelöst und schließlich vorsichtig abgeseilt werden. Ein Buchstabe nach dem anderen glitt so Boden.
Zwei Mal prangte der stolze Firmenname an dem hohen Schornstein, der einst als Symbol für das „Werk“ stand und einfach auch mal nur Werksturm oder Treviraturm genannt wurde. Das macht 14 große Buchstaben, die nun im typischen Stadtbild von Bobingen fehlen.
 
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Schon am Mittwochmorgen gingen die Arbeiten weiter. Die an der Kaminspitze hängende Gondel war weiter nach unten gelassen worden, um eine etwa auf halber Höhe befestigte Arbeitsplattform auszubauen. Das alles gehört laut Mitteilung der Werks-Pressestelle noch zu den Vorarbeiten, bevor voraussichtlich ab Oktober der eigentliche Abbruch beginnt.
Dann wird Schicht für Schicht die gemauerte Außenhaut des Schlots abgetragen. Der 1964 gebaute und bis 2014 noch betriebene Schlot wird dann Stück um Stück von seinen 84 Höhenmetern verlieren. Eine Sprengung ist wegen der Nähe der in Betrieb befindlichen Industrieanlagen nicht möglich.
Für eine Nutzung als Industriedenkmal gab es kein praktikables Konzept
In einem langen Prozess unter Einbeziehung der Stadt und privater Initiativen hatte das Unternehmen geprüft, was aus dem nicht mehr benötigten Kamin werden solle. Eine Sanierung wäre sehr teuer gekommen, hinzu kam, dass auf Grund der Örtlichkeiten kein praktikables Konzept für eine neue Nutzung als Industriedenkmal gefunden wurde.
Bereis 2014 haben die Unternehmen des Industrieparks Werk Bobingen (IWB) gemeinsam beschlossen, das alte Kesselhaus und damit auch den Schornstein nicht mehr zu nutzen. Es wurden neue Energiekonzepte umgesetzt, die erhebliche Energieeinsparungen mit sich bringen.